der terrorist

jetzt zu sehen

Auf den ersten Blick wirken sie wie gewöhnliche, unbeschwerte Schnappschüsse aus dem Urlaub. Doch hinter den Bildern, die auf der Insel Ameland im Ferienhaus „Der Terrorist“ entstanden, verbergen sich tragische Geschichten. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Angehörige von Widerstandsopfern die Möglichkeit, in diesem Ferienhaus kurzzeitig ihren Sorgen zu entfliehen. Ihre Geschichten stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung, die ab 2023 im Fries Verzetsmuseum zu sehen ist.

der terrorist
der terrorist

„In den Schlafzimmern liegen die Kinder, mit ihren gebräunten Köpfen auf den weißen Kissen. Sie haben keinen Vater mehr. Er wurde aus dem Haus geholt, oder es kam eine Nachricht, die die furchtbarsten Ängste Wirklichkeit werden ließ. Er war durch die Hand des Feindes gefallen. Die Kinder wachsen auf, und die Erinnerung wird vage. Aber in dem gemütlichen Zimmer sitzen Witwen. In ihren Herzen wird die Erinnerung nie vage. [...] Diese Frauen können und werden niemals vergessen.“

gratis zeitung: 'der terrorist'

Für diese Ausstellung wurden besondere Gespräche mit ehemaligen Gästen oder deren Nachkommen geführt. Diese Interviews sind in einer Sonderzeitung zu lesen. Es entstand auch ein Hörspiel, das die Zuhörer in die Vergangenheit mitnimmt und sie zufällig Zeuge eines Gesprächs im Wohnzimmer des Ferienhauses werden lässt.

Der Terrorist zeitung
Der Terrorist zeitung

paradies in den dünen

Der Terrorist befindet sich auf der Insel Ameland in den Dünen, 20 m vom Strand entfernt. Nach dem Krieg verbringen „hinterbliebene Verwandte“ gefallener Widerstandskämpfer hier kostenlos ihre Ferien. Dabei handelt es sich um Witwen, Kinder und Eltern von Widerstandsopfern, aber auch um komplette Familien, die zwar noch vollständig sind, aber psychisch oder physisch stark unter dem Krieg gelitten haben. Es gibt insgesamt Platz für 25 Personen, zwei Wochen pro Gruppe, von Mai bis September. Die Gäste kommen meist aus Friesland, aber auch aus anderen Teilen des Landes wie Rotterdam oder Groningen. Das Ferienhaus ist eine Initiative der Stiftung Oud-KP, einem Verein für ehemalige Mitglieder des bewaffneten Widerstandes, der Schlagtruppen (KPs). Mit der Unterstützung des Bürgermeisters von Ameland, dem ehemaligen Widerstandskämpfer Roel Walda, gelingt es freiwilligen Helfern in fünf Wochen, eine alte deutsche Kaserne zu renovieren und in einen gemütlichen Ferienort zu verwandeln.

„Wollt ihr vollauf genießen,
geht mit zum Terrorist!
Nach einem Aufenthalt in diesem
seid ihr komplett aufgefrischt.
Kommt her, kommt her,
ihr seid dort nah am Meer!
Werdet braun, werdet braun,
oben auf dem Dünensaum.
Der Terrorist auf Ameland
ist am schönsten Urlaubsstrand.
Und das ist, was sie rundum
von unserem K.P.-Haus kundtun.“
Eines der Lieder, die im Ferienhaus „Terrorist“ gesungen wurden

foto des ferienhauses de terrorist
foto des ferienhauses de terrorist
zimmerfoto ausstellung von ruben van vliet.
zimmerfoto ausstellung von ruben van vliet.

Es gibt dort Schlafzimmer, einen Gemeinschaftsraum und ein großes Spielzimmer für die Kinder. Unter Anleitung der ehemaligen Kuriere Ans, Truus und Jannie sowie dem Helfer „Opa“ Ben de Vries werden die Gäste zwei Wochen lang in Watte gepackt. Aufstehen, Essen und Trinken finden zu festen Zeiten statt, ansonsten können die Gäste tun, was sie möchten. Es ist das große Genießen nach all der Anspannung, die die Besetzung mit sich gebracht hat. Doch der Verlust der Männer ist überall spürbar. Im Gemeinschaftsraum werden, nachdem die Kinder zu Bett gebracht sind, oft Erinnerungen an die Besatzungszeit wach.

die stiftungen

Nach dem Krieg begannen die Stiftung Friesland 1940-1945 und die Stiftung Sneek 1940-1945, die Hinterbliebenen finanziell zu unterstützen. Die Stiftungen wurden bereits während des Krieges von Widerstandskämpfern gegründet, die sich bereiterklärten, sich um die Familien gefallener Kameraden zu kümmern. Familien, denen der Ernährer entrissen wurde, sollten weiterhin auf dem gleichen Wohlstandsniveau wie vor dem Krieg leben können, hieß es. Es ist eine moralische Verpflichtung der Überlebenden. 1946 waren es 158 Witwen, 320 Kinder, 7 Arbeitsunfähige aufgrund ihrer Widerstandsarbeit und 35 Eltern von Ernährern. Sie erhalten eine lebenslange Zulage und regelmäßige Besuche von Vorstandsmitgliedern. Die Kinder können einen zinslosen Studienkredit bekommen und es werden Ausflüge und Ferien organisiert, zum Beispiel im Ferienhaus „Der Terrorist“.

 

Der Terrorist
Der Terrorist
Der Terrorist
Der Terrorist

ausstellungen

Hunderte von schönen Fotos und ein Gästebuch erinnern uns an diesen besonderen Urlaubsort. Sie bilden die Grundlage für eine Ausstellung im Fries Verzetsmuseum im Jahr 2023. Für diese Ausstellung sucht das Museum nach Geschichten. Sind Sie ein ehemaliger Gast oder kennen Sie jemanden, der im „Terrorist“ war? Bitte kontaktieren Sie uns unter info@friesverzetsmuseum.nl.

Quellen:
Sj. Van der Schaaf, Das gehaltene Versprechen. Geschichte der friesischen Stiftungen 1940-1945 (Leeuwarden, 1985)
Archiv Maarten van Duin, Sekretär Stiftung Oud-KP, Sammlung Tresoar
Fotoalbum Der Terrorist, Sammlung Fries Verzetsmuseum
Gästebuch Der Terrorist, Sammlung Fries Verzetsmuseum
Fakansjehûs De Terrorist, Omrop Fryslân, 2. Mai 1999


Bildunterschrift:

Bild aus einem der Fotoalben von „Der Terrorist“. Der Name des Ferienhauses bezieht sich auf den Schimpfnamen der deutschen Besatzer für Widerstandskämpfer: „Terroristen“. Nach dem Krieg wurde der Name vom ehemaligen Widerstand als Ehrenname verwendet.

Die in der Ausstellung gezeigten Filmaufnahmen stammen von Ale Hesselink.

Diese Ausstellung wird mitunter ermöglicht durch Vfonds, Stiftung Sneek 1940-1945, Stiftung Friesland 1940-1945 und Stiftung Fries Verzetsmuseum.

der terrorist
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